Paid In Full – HipHops Hassliebe mit Produzenten [Kommentar]

Wenn wir zusammen durch die Geschichte von Rap schauen, spürt man die Veränderung. Sei es kurzzeitige Hypes á la Hyphy oder die allgemeine Entwicklung von Musik, Vibe und der Größe unseres Genres. Eine Gruppe, die dabei gern und oft unter den Teppich fällt, sind die Produzenten dieser Welt.

Ob man die Credits früher im Booklet abklappern musste, um herauszufinden wer für diesen einen Beat zuständig ist, den man so feiert oder heute dank dem Internet von dieser Antwort entfernt ist, im Grunde bleibt das Problem bestehen:

Wie viele von uns können die Beatbauer ihrer ersten Lieblingssongs aufzählen?

Und zwar ohne Google zu benutzen.

Ich glaube, ihr realisiert worauf ich hinaus will.

 

Wenn wir uns einmal irgendeinen Song zur Hand nehmen, fällt direkt auf, dass da nur die Rapper stehen. Zum Teil auch zurecht, denn am Ende ist es auch ihr Song. Nur ist ein Rapper ohne einen guten Producer im Hintergrund nur halb so viel wert.

Wo liegt da nun das Problem?
Eigentlich müsste man hier schon den Plural verwenden, denn das Producertum ist seit Jahren von ihnen geplagt. Wir sprechen dabei von Sachen wie fehlender Bezahlung, keine Credits, Beat Jacking usw.

Aber eins nach dem anderen.
Der aktuellste Skandal in dieser Historie hat mit Atlantic Records zu tun, die von E.Dan vorgeworfen bekommen, nicht entsprechend entschädigt zu werden. Der springende Punkt in dieser Story ist, dass sie Projekte als Streetalben oder Mixtapes veröffentlichen, wodurch Beatbastler wie er weniger Geld bekommen.

“I can’t remember if they called it a street album … they had some clever name that meant I got paid half of what I normally do. […] Anything to save a buck for these labels.”

 

 

Was das Mitglied von ID Labs vielleicht nicht ahnte: was er für eine Lawine losgetreten hat. In die gleiche Kerbe schlugen etwas später Rook von J.U.S.T.I.C.E. League, Benny Cassette oder DJ Burn One. Wenn man in diese Richtung nur ein bisschen weiter recherchiert, wird man auf einen Artikel vom Guardian aus dem Jahr 2015 stoßen, der den schwarzen Peter nicht nur den Labeln selber, sondern auch den MCs  zuschiebt. Dabei wird DVLP, der für einen Beat für Lil Wayne von Baby und Cash Money über eine Dekade keinen Cent sah, angesprochen.

Von diesem Problem kommen wir direkt zum Nächsten, dank diesem Beitrag. Denn so praktisch und zugänglich es geworden ist sich als Producer zu versuchen, dank unterschiedlichsten technischen Möglichkeiten, so austauschbarer sind die Ergebnisse geworden. Wenn man bei YouTube zum Beispiel nach „Boi-1da Type Beat“ sucht, findet man von genug Leuten Ersatzmaterial für die Originale.

Das Problem, das dadurch entsteht, ist der einfache Zugang zu bestimmten Sounds und Vibes. Und das für wenig Geld oder komplett kostenfrei. Aus der Perspektive der MCs dieser Welt ist das eine praktische Entwicklung, jedoch ein Problem für jeden Beatbastler. Wieso ein Instrumental für teueres Geld kaufen, wenn man etwas Ähnliches für einen Bruchteil bekommen kann?

Oder man bekommt zwar seine Dollar, aber keine Credits. Beispiel dafür ist TM88, der für seine Arbeit an Big Sean’s „Bounce Back“, egal wo man auch suchte, nirgends aufgelistet wurde für seinen Beitrag. Auf der anderen Seite gibt es auch ein Beispiel für die andere Seite dieser Problematik. Cali The Producer hat für Justin Bieber oder The Weeknd gearbeitet, wenn man zum Beispiel bei Wikipedia kurz die Informationen bestimmter Songs überfliegt. Das Problem daran? Er hat sich in diese Einträge persönlich eingefügt, kennt die Künstler persönlich nicht und machte das nur, um sein Portfolio aufzuhübschen.

 

Wie ist aber der Blick auf unsere Seite des Atlantiks?
Ähnliche Probleme hat anno 2016 Rooq in einem Beitrag für rap.de angesprochen. Der Alltag eines Beatschraubers hierzulande sieht so aus, dass Beats gesaved werden, damit aus dem aktuellen Fundus verschwinden, ohne klare Aussicht auf Benutzung. Viel Arbeit, Stress und am Ende muss man dem MC noch hinterher rennen, wegen seiner Bezahlung.

Das Dasein als Produzent ist also egal auf welchem Kontinent ein harter Struggle.

Besonders in Zeiten von Streaming-Diensten, Independent-Szene und Major-Labels auf der Suche nach Hit-Songs. Während Rapper wie zum Beispiel Chance The Rapper sich ihre Nische erarbeitet haben und in ihr gute Fortschritte gemacht haben, stehen ihre Producer noch vor verschlossenen Toren, da sie auf Albumverkäufe und Credits noch viel mehr angewiesen sind.

Was können sie also gegen diesen Trend unternehmen?
Eine Lösung wäre seine eigene Brand aufzubauen. Webseiten, Logos, Social Media-Präsenz. Die Zeiten haben sich geändert, für Rapper und auch für die Männer, die die Musik beisteuern. Während sich die MCs dieser Welt an den neuen Status Quo gewöhnt und aufgenommen haben, hinkt das Producing noch hinterher.

Zeit die Probleme mehr in die Öffentlichkeit zu tragen und einen Wandel in den Köpfen sowie im Handeln der Musik voranzutreiben.

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Quellen:

HipHopDX.com „Atlantic Records Allegedly Calls Albums „Mixtapes“ To Avoid Paying Producers“

DJBooth.net „Atlantic Records Has Reportedly Called Albums “Mixtapes” to Avoid Fairly Compensating Producers“

The Guardian „Paid In Full: are hip-hop producers being exploited?“

QC Voices „If Young Metro Don’t Trust You: Why Hip Hop Producers Shouldn’t Trust Rappers“

Genius.com „Hip-Hop Producers Reveal The Many Ways Labels Avoid Properly Compensating Them“

Stopthebreaks.com „Why Independent Hip Hop Producers Need to Build their Own Brand“

DJBooth.net „A$AP Ferg’s “Shabba” Producer Only Earned $500 From RCA Because ‘Trap Lord’ Was Initially a Mixtape“

Rap.de „Aus dem Alltag eines Produzenten: Rooqs Abrechnung mit respektlosen Rappern“

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